Volksschule Putzleinsdorf ist jetzt Fairtrade-Schule!
Am 26. Juli war es soweit: Die VS Putzleinsdorf wurde offiziell zur Fairtrade-Schule ernannt. Die feierliche Urkunde überreichte die ehemalige Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz von den Grünen, Schuldirektor Karl Lindorfer nahm sie im Namen der Schule entgegen.
Anlass für dieses besondere Engagement war das Jubiläum „10 Jahre Fairtrade-Region Donau-Ameisberg“. „Das wollten wir zum Anlass nehmen, den Gedanken des fairen Handels auch mit unseren Kindern weiterzuspinnen“, so Schuldirektor Karl Lindorfer.
Wie alles begann
Zunächst wurde an der Schule ein Fairtrade-Schulteam gegründet, dem alle Klassenlehrkräfte, der Direktor sowie drei Elternvertreter:innen angehören. Gemeinsam wurde ein Projekttag geplant, an dem Schokolade und Bananen im Mittelpunkt standen. Die Kinder konnten dabei verfolgen, welchen Weg diese Produkte von der Ernte bis auf den Teller zurücklegen.
Dabei erfuhren sie auch, wie sich der Preis eines Produkts zusammensetzt und welche Ungerechtigkeiten dabei oft eine Rolle spielen. Besonders wichtig war es der Schule, dass die Kinder das Fairtrade-Gütesiegel kennenlernen, damit sie schon früh wissen, wie sie beim Einkaufen selbst auf Fairness achten können. Im Anschluss an den Projekttag wurden die Themen dann auch im Unterricht jeder Klasse weiter vertieft.
Foto: VS Putzleinsdorf
Der Weg zur Auszeichnung
Neben dem Schulteam und dem Projekttag brauchte es noch einen Aktionsplan, der von der Schulleitung unterstützt und unterschrieben wurde. Auch im Schulalltag selbst spielt Fairtrade eine Rolle: Fairtrade-Produkte werden verwendet und das Bewusstsein dafür aktiv gefördert. Ergänzt wird das Engagement durch verschiedene Aktionen und Veranstaltungen rund um das Thema Fairer Handel.
Was bedeutet es, Fairtrade-Schule zu sein?
Die Auszeichnung als Fairtrade-Schule zeigt, wie sehr sich die Schulgemeinschaft für fairen Handel, Nachhaltigkeit und globale Verantwortung einsetzt. Die Kinder lernen dabei, dass bewusster Konsum und gerechte Handelsbedingungen einen echten Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten können.
Neuer digitaler Auftritt für viele FoodCoops in OÖ
Die meisten der 30 FoodCoops in Oberösterreich erhalten mit Unterstützung des Projekts „Appetit auf Gutes“ Ende Juni 2026 einen einheitlichen, neuen Webauftritt. Die modernisierte Startseite soll die Sichtbarkeit regionaler Lebensmittelgemeinschaften erhöhen und neue Mitglieder begeistern.
Während die Begriffe „regional“ und „saisonal“ in aller Munde sind, wissen viele Menschen nicht, dass es in Oberösterreich bereits mehr als 30 FoodCoops gibt. Der neue gemeinsame Webauftritt soll das ändern: Er macht bestehende Initiativen sichtbarer und erleichtert den Zugang zu gemeinschaftlich organisierter Lebensmittelversorgung aus der Region für die Region.
Initiiert wurde die Weiterentwicklung der Online-Plattform von den FoodCoops Regionalspeis Neukirchen und Vöcklabruck. Mit professioneller Begleitung entstand eine neue Landingpage, die die Vorteile von gemeinschaftlicher Versorgung mit regionalen Lebensmitteln in den Mittelpunkt rückt. Das Update wird Ende Juni ausgerollt. Anschließend können die Initiativen die Inhalte individuell anpassen.
„Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Projekt „Appetit auf Gutes“ bereits seit über 10 Jahren ein wichtiger Partner für die Weiterentwicklung dieser Initiativen sind und somit freiwilliges Engagement für nachhaltige Ernährungssysteme proaktiv unterstützen können“, so Magdalena Barth, Obfrau BIO AUSTRIA OÖ.
„Gerade in Zeiten globaler Krisen gewinnen regionale Versorgungsstrukturen an Bedeutung. FoodCoops stärken die Versorgungssicherheit und halten Wertschöpfung in der Region“, betont Norbert Rainer, Geschäftsführer Klimabündnis OÖ.
Gemeinschaftliche organisierte Lebensmittelversorgung in OÖ
Mit über 30 FoodCoops und rund 20 Dorfläden mit Vorbestellsystem zählt Oberösterreich österreichweit zu den aktivsten Regionen für gemeinschaftlich organisierte Lebensmittelversorgung. FoodCoops sind selbstorganisierte Einkaufsgemeinschaften, in denen Haushalte gemeinsam Lebensmittel direkt bei regionalen und überwiegend biologischen Produzent:innen zu fairen Preisen beziehen. Bestellt wird von den Mitgliedern über eine Online-Plattform, abgeholt werden die Produkte an gemeinschaftlich organisierten Verteilpunkten. Dadurch entstehen kurze Lieferwege und ein direkter Bezug zur Herkunft der Lebensmittel. Gemeinsam günstig hochqualitative Lebensmittel direkt von Höfen aus der Region bestellen und zentral abholen – das ist das Erfolgskonzept der FoodCoops.
Wer regionale Lebensmittel direkt von Produzent:innen beziehen und Teil einer FoodCoop werden oder selbst eine gründen möchte, findet eine Übersicht aller FoodCoops und SoLaWis in Oberösterreich sowie weitere Infos hier.
Ansprechperson
Mag.a Gudrun Zecha – Appetit auf Gutes/BIO AUSTRIA Oberösterreich
Das Projekt Appetit auf Gutes unterstützt seit 2014 FoodCoops, Solidarische Landwirtschaften (SoLaWis) und weitere Initiativen für regionale Lebensmittelversorgung in Oberösterreich. Es ist eine Kooperation von BIO AUSTRIA Oberösterreich und Klimabündnis Oberösterreich und wird vom Umweltressort des Landes Oberösterreich finanziert. Ziel ist es, nachhaltige Versorgungsstrukturen zu stärken und Menschen bei der Gründung und Weiterentwicklung von Lebensmittelinitiativen zu begleiten.
Neues Portrait:
Vom Software-Entwickler zum Gemüsebauer
Gerald Hauser startet mit gemüslich eine solidarisch organisierte Bio-Landwirtschaft bei Freistadt.
Gerald Hauser (36) aus dem Mühlviertel hat einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Nach einem Studium in Hagenberg war er zehn Jahre lang als Software-Entwickler tätig – bis sich seine Interessen immer stärker in Richtung Garten und Natur verschoben. Erste praktische Erfahrungen sammelte er in Gemeinschaftsgärten, wo er den Gemüseanbau vom Freiland bis zum Folientunnel kennenlernte.
„Der Gedanke, mir selbst das anzubauen, was ich brauche, hat mich immer fasziniert“, erzählt Gerald Hauser.
2025 wagte er schließlich den Neustart und gründete gemüslich, einen eigenständigen Bio-Gemüsebaubetrieb, der seit heuer (2026) nach den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft (kurz: SoLaWi) organisiert ist. Dass er biologisch wirtschaften möchte, stand für ihn von Anfang an fest: regional, saisonal und bio – so kauft er selbst am liebsten ein.
Über Kontakte zu Landwirt:innen in der Region konnte er Bio-Flächen in Waldburg pachten. Heute bewirtschaftet er eine Gesamtfläche von rund 6.000 Quadratmetern, davon etwa 2.000 Quadratmeter mit vielfältigem Gemüseanbau, 380 Quadratmeter davon unter Folie. Die übrigen Flächen dienen bewusst der Biodiversität. Insgesamt kultiviert er rund 120 verschiedene Gemüse- und Kräutersorten.
Der Berufswechsel war für Gerald Hauser eine wirklich gute Entscheidung. Auch wenn besonders die erste Zeit mit teilweise über 80 Wochenstunden fordernd war, bereut er den Schritt nicht.
„Ein Produkt sollte nicht nur einen Preis haben, sondern auch einen Wert“, ist er überzeugt.
Gemeinschaft, Transparenz und das Teilen von Verantwortung – das schätzte er bereits im Gemeinschaftsgarten. In seiner solidarisch organisierten Landwirtschaft geht es ihm um planbare Direktvermarktung, transparente Kommunikation und eine bewusste Verbindung zwischen Produzent und Kund:innen. „Damit wieder mehr Verbundenheit zwischen Mensch und Natur entsteht und ein Verständnis für Boden und Arbeit wachsen kann, wird das Gemüse direkt am Feld abgeholt.“
Sein früherer Job fehlt ihm übrigens nicht: „Es gibt sicher noch Situationen, in denen ich an meinen alten Job denke. Aber die Art und Weise, wie ich damals gearbeitet habe, vermisse ich nicht. Jetzt kann ich mir selber aussuchen, was ich mache. Irgendwie bin ich jetzt alles – vom Projektmanager bis zum Landwirt. Die Arbeit bei jedem Wetter ist abwechslungsreich, und wenn ich sehe, was die Natur alles bietet, freue ich mich auf jeden Tag.“
Interessiert? Aktuell gibt es noch freie Saisonanteile. Alle Informationen zum Betrieb und zur Teilnahme finden sich hier:
Eine Solidarische Landwirtschaft in Leonding, eine Slow Flower Anbieterin in Sattledt, eine Second Hand Boutique in Wels und ein Upcycling-Shop, wo aus alten Stoffen Neues gestaltet wird – sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind Teil unseres Gutes Finden Netzwerkes – und wir waren 2025 bei ihnen zu Besuch! Die Portraits gibt´s hier noch einmal auf einen Blick!
SoLaWi Gmias, Leonding
Anfang März 2025 besuchten wir die SoLaWi Gmias in Leonding und schauten ihnen bei der Saisonvorbereitung über die Schulter!
Bei einer SoLaWi schließen sich Landwirt:innen und Konsument:innen zu einer Gemeinschaft zusammen, um die Produktion von Lebensmitteln gemeinsam zu tragen. Die Kosten der Saison und die Ernte werden fair geteilt. Alle SoLaWis in OÖ findest du auch hier.
Lisi Grün, Sattledt
Kurz vor dem Muttertag holten wir uns bei „Lisi Grün“ Inspirationen für Blumensträuße aus heimischen Schnittblumen. Bei dem biologisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieb in Sattledt gibt es Schnittblumen, Gemüse-Jungpflanzen und zum Beispiel auch Trockenblumen.
zweitBlick fashion, Wels
Bei zweitBlick fashion in Wels gibt es Second Hand Markenmode. Wir sprachen im Sommer mit den Betreiber:innen über ihre Begeisterung für Nachhaltigkeit und Mode.
gluehbirnchen, Linz
Bei gluehbirnchen in Linz entsteht Neues aus alten Stoffen – generationenübergreifend. Aus dem Kleid von Oma wird ein neuer Rock fürs Enkerl. Oder das alte Hemd wird in Stoffspielzeug für die Kleinen verwandelt.
Seit mehr als 10 Jahren „Gutes Finden“
Rund 700 nachhaltige Betriebe, Initiativen und Angebote aus ganz Oberösterreich sind bei Gutes Finden versammelt: von Bio-Direktvermarkter:innen über Modeläden und Reparaturbetriebe bis hin zu fairen und klimaschonenden Angeboten in der Umgebung. Und unter Appetit auf Gutes finden sich alle Solidarischen Landwirtschaften, FoodCoops und Lebensmittelinitiativen in Oberösterreich. Konsument:innen erhalten hier auf gutesfinden.at einen umfassenden Überblick über klimafreundliche Einkaufsmöglichkeiten in Oberösterreich und können mit jeder Kaufentscheidung aktiv regionale Betriebe stärken. Gutesfinden.at hilft damit nicht nur Konsument:innen, auf einfachem Weg nachhaltig einzukaufen, sondern unterstützt auch Produzent:innen und Anbieter:innen nachhaltiger Produkte dabei, sichtbar zu sein.
„Gutes Finden“ wurde 2014 als kostenlose Vermarktungsplattform von Klimabündnis Oberösterreich gemeinsam mit dem oö. Umweltressort und BIO AUSTRIA ins Leben gerufen.
In kurzen Videointerviews berichten FAIRTRADE-Gemeinden aus Oberösterreich, wie sie sich für fairen Handel einsetzen und andere zum Mitmachen motivieren.
Traun, Bad Zell, Lembach – drei Gemeinden von vielen, in denen sich Menschen schon seit langer Zeit für fairen Handel einsetzen. Wir haben sie im Vorfeld der EZA-Woche 2025 besucht und sie zu ihrem Engagement befragt.
Traun
Traun hat mehr als 25.000 Einwohner und ist seit 10 Fairtrade-Gemeinde! Wir erfahren, wie beim Trauner Stadtamt auf das Motto „regional, saisonal, biologisch und fair“ geachtet wird. Mehr dazu im Video!
Fairtrade-Region Donau-Ameisberg
Lembach im Mühkreis liegt in der Fairtrade-Region Donau-Ameisberg. 2016 formten dort neun Gemeinden gemeinsam die damals erste Fairtrade-Region in Oberösterreich. Warum der Region und Lembach das Engagement für fairen Handel wichtig ist, erfahrt ihr im Video!
Bad Zell
Für unser drittes Video besuchen wir Bad Zell. Wir sprechen unter anderem mit Biobäuerinnen, die neben eigenen und regionalen Erzeugnissen auch fair gehandelte Produkte anbieten.
Warum ihnen das ein Anliegen ist, erfahrt ihr im Video!
Faire Beschaffung, gerechte Arbeitsbedingungen und nachhaltiger Konsum im Fokus
Faire Beschaffung bedeutet mehr als nur umweltfreundliche Produkte: Sie steht für gerechte Preise, gute Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit und faire Handelspraktiken entlang der gesamten Produktionskette. Das Klimabündnis Oberösterreich setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, das Bewusstsein für faire Beschaffung in Gemeinden, Organisationen, Betrieben und Schulen zu stärken.
Falls auch Sie Interesse haben, Maßnahmen zu ökologisch-fairen Projekten umzusetzen oder Fairtrade-Gemeinde zu werden, freuen wir uns, wenn Sie Kontakt aufnehmen:
Von 16. bis 18. Oktober 2026 laden wieder zahlreichen FoodCoops, SoLaWis und Lebensmittelinitiativen zu den Tagen der offenen Türen und zum Kennenlernen, Mitmachen und Verkosten ein.
Die Vorbereitungen für die Tage der offenen Türen laufen bereits. Die Infos werden hier laufend aktualisiert.
Unter dem Motto „Gemeinschaft schmeckt besser“ boten die teilnehmenden Gruppen ein buntes Programm mit Verkostungen, Hofführungen, Kinderaktionen, Kürbisschnitzen und Standlmärkten. Ein besonderes Highlight waren die Jubiläumsfeiern der beiden FoodCoops „Kirchschlager Speis“ und „GuaT – Gutes aus Taiskirchen“, die jeweils ihr zehnjähriges Bestehen feierten. Auch kulinarisch kamen Besucher:innen auf ihre Kosten – etwa bei der „Jause von dahoam“, die ganz im Zeichen regionaler Spezialitäten stand.
Gemeinschaft und regionale Versorgung im Mittelpunkt
„Mit diesen Tagen der offenen Türen wollen wir zeigen, wie viel Engagement, Lebensqualität und Innovationskraft in unseren Regionen steckt. Es geht um lokale Versorgung mit qualitativ hochwertigen Bio-Lebensmitteln – und um die Gemeinschaft im Ort“, betonte Magdalena Barth, Obfrau von BIO AUSTRIA Oberösterreich.
„Gemeinschaft schmeckt besser – das haben die Tage der offenen Türen wieder gezeigt. Unsere regionalen Lebensmittelinitiativen beweisen Tag für Tag, dass nachhaltige Versorgung Vorteile für alle hat! Es werden nicht nur die Produzent:innen in der Region gestärkt, sondern es entsteht auch gutes Essen, Vertrauen in die Herkunft der Lebensmittel und ein starkes Miteinander“, so Norbert Rainer, Geschäftsführer des Klimabündnis OÖ.
Oben von links nach rechts: SoLaWi Tannberg (Lochen a. See), Bauern.laden.ein (Alberndorf), FoodCoop Wallerner Körberl (Wallern). Unten links: SoLaWi Ackerhummel (Neustift i. Mühlkreis)
Viele neue Gesichter und viel Begeisterung
Zahlreiche Besucher:innen nutzten die Gelegenheit, Initiativen kennenzulernen, Produzent:innen persönlich zu treffen und regionale Köstlichkeiten zu probieren. Viele Interessierte entschieden sich spontan, einer FoodCoop beizutreten oder einen Probe-Ernteanteil bei einer SoLaWi zu übernehmen – ein deutliches Zeichen für das wachsende Interesse an nachhaltiger, regionaler Lebensmittelversorgung.
In Oberösterreich gibt es mittlerweile 33 FoodCoops und 15 SoLaWis – damit liegt das Bundesland österreichweit im Spitzenfeld. Seit 2014 werden diese Initiativen durch das Projekt „Appetit auf Gutes“ unterstützt, eine Kooperation von BIO AUSTRIA OÖ, Klimabündnis OÖ und dem Umweltressort des Landes OÖ.
Was sind FoodCoops und SoLaWis?
FoodCoops, kurz für Lebensmittelkooperativen, sind Zusammenschlüsse von Konsument:innen, die direkt von regionalen Hersteller:innen Lebensmittel beziehen. Die Mitglieder einer FoodCoop organisieren den Einkauf gemeinschaftlich und setzen auf kurze Lieferwege, um eine nachhaltige Versorgung zu garantieren. Die Idee dahinter: Erzeuger:innen erhalten faire Preise und die Konsument:innen hochwertige, frische Lebensmittel aus der Region. Die Mitglieder entscheiden gemeinsam, welche Produkte von welchen Betrieben bezogen werden. So entsteht eine direkte Verbindung zwischen den Produzent:innen und den Konsument:innen, die bewusst und aktiv an der Lebensmittelversorgung teilnehmen.
Solidarische Landwirtschaften (SoLaWis) gehen noch einen Schritt weiter. Hier schließen sich Höfe direkt mit einer Gruppe von Konsument:innen zusammen, um die Herstellung und Verteilung von den am Hof erzeugten Lebensmitteln gemeinschaftlich zu gestalten. Die Mitglieder – auch „Ernteteiler:innen“ genannt – unterstützen den Betrieb finanziell im Voraus, damit dieser die Lebensmittel über die Saison hinweg produzieren kann. Dafür erhalten sie regelmäßig ihren Anteil der hergestellten Lebensmittel. SoLaWis ermöglichen es den Konsument:innen eng mit der Landwirtschaft verbunden zu sein und nicht nur die Ernte, sondern auch Produktionsentscheidungen mitzutragen und bei Mithilfetagen direkte Einblicke in die Herstellung ihrer Lebensmittel zu bekommen. Das Konzept fördert die regionale Versorgung, schont wertvolle Ressourcen und stärkt die soziale Gemeinschaft.
Das waren die Tage der offenen Türen 2024:
Zahlreiche der insgesamt über 60 oberösterreichischen Initiativen öffneten am 18. und 19. Oktober 2024 ihre Türen und Hoftore für alle, die sich ein Bild von gemeinschaftsgetragener Lebensmittelversorgung machen wollten.
In Aspach im Innviertel überzeugte die FoodCoop „Brot und Ruam“, wo ein Marktfest für Besucher:innen veranstaltet wurde. Hier konnten zahlreiche biozertifizierte Produkte direkt verkostet werden. Magdalena Barth, Obfrau von BIO AUSTRIA Oberösterreich, zeigte sich begeistert vom Engagement der FoodCoop und lobte den Beitrag zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.
Ein weiteres Highlight an den Tagen der offenen Türen 2024 war die SoLaWi Gmias in Leonding mit ihrem vielfältigen Gemüseanbau und einem tiefen Einblick in den gemeinschaftlichen Produktionsprozess. Auch prominente Unterstützung kam von Umweltlandesrat Stefan Kaineder, der betonte, wie wichtig solche Projekte für die regionale und gesunde Lebensmittelversorgung und das Klima sind.
Unsere neue SoLaWi-Broschüreist da – mit frischen Perspektiven für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Ob als Konsument:in oder Produzent:in – entdeckt, wie Solidarische Landwirtschaft verbindet, stärkt und neue Wege eröffnet.
Für Produzent:innen
Auf der einen Seite richtet sich diese Broschüre an ökologisch wirtschaftende Produzent:innen, die nach alternativen Vermarktungsformen mit möglichst direktem Kund:innenkontakt suchen, um dadurch ihren Betrieb auf einer sicheren Basis von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen führen zu können.
Für Konsument:innen
Auf der anderen Seite richtet sich die Broschüre an Konsument:innen, die nach Quellen für qualitativ hochwertige, ökologische, regionale und unter gerechten Bedingungen produzierte Lebensmittel suchen, an all jene die einfach wissen wollen, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wurde, und die wieder ein Stück näher an das landwirtschaftliche Leben rücken möchten.
Warum SoLaWi?
Wir wollen durch diese Broschüre auf Solidarische Landwirtschaft als eine zukunftsweisende Form der Landwirtschaft und Lebensmittelverteilung aufmerksam machen. Denn Solidarische Landwirtschaft ist eine vielversprechende, nachhaltige und sozial gerechte Antwort auf die Frage: Wo und unter welchen Bedingungen wurden jene Lebensmittel hergestellt, die wir tagtäglich konsumieren?
Lasst euch von dieser Broschüre inspirieren und schöpft selbst Mut und Motivation für den Aufbau einer neuen SoLaWi in Österreich!
Das Ziel dieser Broschüre ist es, Konsument:innen und Produzent:innen das Wissen an die Hand zu geben, diese Idee wirtschaftlich, nachhaltig und professionell umsetzen zu können, sodass sie gut davon und damit leben können. Ob als Neugründer:innen oder Umsteller:innen, wir freuen uns, dass ihr ein Teil davon seid!
Der Zeitlmayerhof in Neukirchen an der Enknach lag rund 20 Jahre still, bis 2021 Carola Geisberger und Reinhard Hofer begannen, auf dem früheren Milchbetrieb eine Solidarische Landwirtschaft aufzubauen. Heute versorgen sie mit ihrer SoLaWi Rittersberg rund 100 Ernteteiler:innen mit frischem, regionalem Gemüse.
Sie werde nur immer noch überzeugter von dem Konzept, je länger sie es mache, antwortet Carola Geisberger auf die Frage, warum sie sich für eine Solidarische Landwirtschaft entschieden habe. Die Gemeinschaft und die Treue der Ernteteiler gebe ihr viel. Dazu die Abnahmegarantie über das ganze Jahr, das geteilte Risiko und das sichere Einkommen – das alles seien große Vorteile einer SoLaWi, schildert die Innviertlerin.
Carola Geisberger und ihr Partner Reinhard Hofer bauen bei ihrer SoLaWi Rittersberg auf etwa einem Hektar Gemüse an. Dazu kommen Flächen für Kartoffelanbau, Hafer und Kleegras und 450 Quadratmeter Folientunnel. Seit 2021 sind sie auch BIO AUSTRIA Betrieb. Die Arbeit teilen sich die beiden mit einem Lehrling. Inzwischen haben die beiden auch mehr als 20 Obstbäume gepflanzt, bei denen es bis zur ersten Ernte aber noch ein wenig dauern wird.
Reinhard Hofer wuchs am Zeitlmayerhof auf. Der gelernte Maschinenbauer arbeitet mittlerweile auch Vollzeit für die SoLaWi. Carola Geisberger verbrachte nach ihrem Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien unter anderem einige Sommer auf Almen und arbeitete dort bei Milchwirtschaftsbetrieben.
Das Konzept einer Solidarischen Landwirtschaft lernte Carola Geisberger schon während ihres Studiums kennen. Als sie sich dann für einen Berufsweg entscheiden musste, wollte sie eine Tätigkeit, bei der sie die Sinnhaftigkeit nicht oft hinterfragen müsse, schildert Carola Geisberger – etwas aus dem Bereich Lebensmittelproduktion, an der frischen Luft, mit Gestaltungsfreiraum, eine Arbeit, die für Mensch und Umwelt gut ist und gleichzeitig Zukunft hat. Die Arbeit mit und für das Gemüse habe ihr gefallen, außerdem verortet sie einen Trend zu mehr Gemüse.
Die SoLaWi Rittersberg läuft über ein flexibles System mit einer Mindestabnahmemenge und der Möglichkeit nach Bedarf aufzustocken. Die Ernteteiler:innen bekommen etwa 44 Mal pro Jahr Gemüseanteile.
Gefragt nach ihrer Lieblingsjahreszeit antwortet Carola Geisberger rasch und mit einem Lachen: Jedenfalls nicht der Sommer – wegen der Hitze und weil man da manchmal schwimme, allerdings in Arbeit und nicht im See. Der Herbst sei gut, wenn die Saison gut war. Der ruhigere Winter biete Zeit zum Ideen schmieden. Und im Frühling freue sie sich dann schon wieder richtig auf die nächste Saison!
Von 25. bis 27. April 2025 wurde Linz zum Zentrum der gemeinschaftlich organisierten Lebensmittelversorgung: Rund 50 Vertreter:innen von 25 FoodCoops aus ganz Österreich kamen zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse zu setzen.
Den Auftakt machten wir mit einem Besuch der Ausstellung Connected Earth im Ars Electronica Center – eine kreative und eindrucksvolle Reise durch die verflochtenen Zusammenhänge des Lebens und Wirtschaftens auf unserer Erde.
Am nächsten Tag ging es direkt in die Praxis: In einem Soziokratie-Workshop haben wir gemeinsam partizipative Entscheidungsprozesse ausprobiert und erlebt, wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert. Darüber hinaus brachte ein Workshop zu Gewerbe- und Steuerrecht Licht ins juristische Dunkel – viele offene Fragen konnten geklärt werden. Wer Interesse an der Zusammenfassung hat, kann sich gerne bei appetitaufgutes@bio-austria.at melden.
Im Open Space haben wir Visionen geschmiedet und neue Wege für die Weiterentwicklung und Verbreitung unserer FoodCoops in ganz Österreich diskutiert. Da war spürbar: sich auszutauschen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten gibt neuen Schwung für jede:n einzelne:n und für die Bewegung!
Der Sonntag stand ganz im Zeichen digitaler Lösungen: Wir haben uns über neue Funktionen für FoodCoop-Softwares ausgetauscht – wie z.B. automatische Abo-Bestellungen – und erste Schritte für eine gemeinsame Organisationsplattform wurden vorgestellt.
Ein Highlight zum Abschluss war die Exkursion zum innovativen Bio-Austria-Betrieb Ackerlhof. Dort erwartete uns nicht nur ein Blick hinter die Kulissen regionaler, klimagerechter Landwirtschaft, sondern auch der köstliche „Bohnenkas“ – ein Tofu aus eigenem Soja-Anbau, der zeigt, wie Zukunft schmecken kann.
Für eine wunderbar warme Atmosphäre sorgten die Linzer Gastgeber:innen im Willy*fred Hausprojekt – die FoodCoops Einkaufsgemeinschaft, Urfair und Franckkistl – und verwöhnten uns mit regionalen Bio-Schmankerln direkt von ihren lokalen Lieferant:innen.
Ein lebendiges Zeichen für die österreichische FoodCoop-Bewegung
Mit über 110 aktiven FoodCoops in Österreich und der Vision, diese Zahl in den nächsten zehn Jahren auf 1.000 zu steigern, war das Treffen ein kraftvoller Schritt nach vorn. Wir gehen motiviert und inspiriert weiter – solidarisch, regional und zukunftsorientiert.
Das Projekt Appetit auf Gutes von Bio Austria und Klimabündnis, seit 2014 mit dabei, freut sich, diese Bewegung weiterhin mit Beratung, Infomaterialien, Workshops und Vernetzungstreffen zu unterstützen.
Das halbjährliche, österreichweite Treffen der Solidarischen Landwirtschaften findet im März im Ars Electronica Center in Linz statt. Dabei wird auch die Gründung von Solawi Leben – Verband Solidarischer Landwirtschaften Österreichs gefeiert!
Mit Gästen des Deutschen Netzwerk Solidarische Landwirtschaft: Simon Scholl (Kartoffelkombinat) und Jochen Dindorf (Vorstand Netzwerk Solidarische Landwirtschaft DE).
Am Freitag findet in Zusammenarbeit mit Klimabündnis, Bio Austria, ÖBV und Südwind eine öffentliche Veranstaltung statt, bei der unter dem Motto rising from the soil – Wir säen Zukunft mögliche und bereits reale Utopien im Mittelpunkt stehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!
Am Samstag findet der Hauptteil des Treffens mit Aktiven, Mitarbeiter*innen und Engagierten von Solawis aus ganz Österreich statt. Den formellen Rahmen bildet die erste Mitgliederversammlung des Verbands am Nachmittag – für diese ist auch eine Online-Teilnahme möglich! Alle Menschen, die bei einer SoLaWi aktiv sind, sind herzlich eingeladen!
Frühjahrstreffen der Solidarischen Landwirtschaften Österreichs
9:30 Uhr Ankommen
10:00 – 12:00 Uhr Austausch in einem der Themenblocks:
– Gemeinsam & Solidarisch – was bedeutet Solawi Leben für uns?
– Praktiker*innen-Austausch: Gemeinsam schlauer werden – Austausch über Erfolgsmomente, Herausforderungen & Blitzlichter aus der täglichen landwirtschaftlichen Praxis
Mittagessen
14:00 – 16:00 Uhr (vor Ort & online) Gründungsversammlung des Verbands Solidarischer Landwirtschaften Österreichs
– Vorstellung der geplanten Tätigkeiten im heurigen Jahr
– Budgetvorstellung und Beschluss
– Wahl des ersten Vorstands
– Wahl der Rechnungsprüfer*innen
– Gemeinsames Anstoßen und Feiern der Gründung!
16:00 – 17:00 Uhr Gruppenaktivität und Ausklang, Aufräumen
Gemeinsames Abendessen
Lasst uns gemeinsam die Zukunft aufbauen, die wir uns wünschen!